Tiny Little People
Termine: 26.09./27.09.2026 + 02.10./03.10.2026 Theaterfabrik Düsseldorf
Wie heißt die reichste Familie Deutschlands? Was ist das Matthäus-Prinzip? Warum hat Katy Perry ein Gänseblümchen mit ins All genommen und wann ist man eigentlich reich?
Manche Menschen sind im All und andere am Arsch. Die Welt ist ungleich und es wird immer schlimmer. Während Katy Perry auf einem Mondkraterhocker im Weltraum sitzt, auf die „Tiny Little People“ hinunterglotzt und von ihrer eigenen Rührung gerührt ist, sich in Demut, Dankbarkeit und denkwürdigen Songtextfragmenten verliert, sitzen die Tiny Little People irgendwo da unten auf der Erde in unbändiger Entschlossenheit, das Schicksal ihrer unverdienten Ungleichheit nicht einfach so hinzunehmen. In Katys Heimatland bestimmen Multimilliardäre über die Politik, in Deutschland besitzen zwei Familien mehr Vermögen als die gesamte ärmere Hälfte der Bevölkerung. Und das hat nichts mit Fleiß und Leistung zu tun, denn die Narrative „From rags to riches“ und „Jeder ist seines Glückes Schmied“ sind weniger realistisch als das Märchen vom Goldesel. Dass die einen immer reicher werden und die anderen immer ärmer ist der Ursprung vielen Übels und der Nährboden für eine auseinanderdriftende Gesellschaft. Aber wie konnte es überhaupt so weit kommen und was können wir dagegen tun? Um Antworten auf ihre Fragen zu finden, schmeißen die Tiny Little People ihre metaphorische und hundertprozentig emissionsfreie Rakete an, für einen theatralen Flug durch Raum und Zeit. Sie treffen den ersten egoistischen Steinzeitmenschen, diskutieren mit Marx über Kapital und Birnenwein, fliegen mit Jeffs Pimmelkiste ins Space of Assholes, suchen mit Rousseau nach dem Guten im Menschen und baden mit Superreichen im Swimmingpool der Langeweile. Ihre Reise führt sie zu guineischen Minenarbeitern, mecklenburg-vorpommerischen Nepobabys, Poetryslammern des Leipziger Literaturinstituts und an den Fluss Styx, dorthin wo der Fährmann Charon die Toten in den Hades bringt – vorausgesetzt, sie können zahlen.
„Tiny Little People“ ist ein Theatertext über Ungleichheit, über Privilegien und Diskriminierung, über den unmissverständlichen Sturz widerlegter Narrative. Dafür stützt sich das Stück auf wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Volkswirtschaft, Politik und Soziologie, untersucht Mythen und Tatsachen und nähert sich so spielerisch und mit den ästhetischen Mitteln von Pop und Drama einem Thema, das so existenziell wie ungreifbar ist: Geld.
mit: Sarah Binias, Niky Ballo, Tabea Pollen, Tara Priestly und Silke Schreiber | Text: Simone Saftig | Sound: Stefan Römer | Video: Finn Leonhardt
brüh im lichte dieses glückes
UA 2024 | Theaterfabrik Düsseldorf
Man kennt sie aus den deutschen Charts, als Jurymitglied, Sängerin und Realitysternchen. Ihr Durchbruch gelang ihr 2005 mit der Neuinterpretation der Deutschen Nationalhymne in der Münchner Allianz-Arena. Aber eigentlich ist Sarah Connor vor allem eins: Mega-Mutter auf der Suche nach ihrer Muttersprache (gleichnamiges Album). Und das sind auch Kleo, Vera, Nele und Cornelia, deren Kinder in dieselbe Bildungseinrichtung gehen und die sich deshalb zwangsläufig gemeinsam ihrem Schicksal stellen müssen: Basteln, Waffelbacken und Völkerballturniere gehören genauso zu ihrem Alltag wie der Kampf um die richtige Erziehung. Während sie um das korrekte Verhalten im Umgang mit neunarmigen Oktopoden und Eichhörnchenopferungen ringen, verhärten sich allmählich die Fronten: Was kann man den eigenen Kindern eigentlich noch mitgeben, wenn das Land, in dem sie leben, allmählich vor die Hunde geht? Vielleicht haben Sarah Connors Töchter die passenden Antworten in ihrem Impulsreferat über ihr Homecountry parat? Und Sarah selbst möchte zum 20. Jubiläum ihres Nationalhymnen-Fails gerne auch noch etwas Grundlegendes klarstellen ...
»brüh im lichte dieses glückes« ist ein theatraler Ritt durch den Debattendschungel Deutschlands, bei dem alle alles richtig machen wollen und dabei zwangsläufig scheitern müssen. Oder?
mit: Sarah Binias, Antje Kabus, Tabea Pollen und Silke Schreiber | Text: Simone Saftig | Sound: Finn Leonhardt